HallerTagblattDie Erfahrungen der Personaldienstleister in der Region mit Flüchtlingen sind überwiegend positiv. Die Beantragung einer Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigung wird aber oft als umständlich empfunden.

Eigentlich könnte alles perfekt sein für Simon Samuel Isimah: „Ich habe eine gute, interessante Arbeit, einen sehr netten Chef und sehr nette Kollegen“, sagt der 43-Jährige, der seit Anfang August unter anderem als Schleifer bei Kneer-Südfenster in Schnelldorf tätig ist. Angestellt ist der nigerianische Asylbewerber, der im Mai 2014 nach Deutschland kam, über den Personaldienstleister All-Jobs Crailsheim.

Wäre da nur nicht die Bürokratie. Alle vier Wochen muss sich Isimah der gleichen Prozedur unterziehen: Da er nur jeweils eine vierwöchige Duldung erhält, muss er beim Landratsamt Schwäbisch Hall vorsprechen, um seine Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. „Alle vier Wochen stellt sich wieder die gleiche Frage: Darf er weiterarbeiten?“, ärgert sich All-Jobs-Geschäftsführer Uwe Schaubhut.

Berufsausbildung als Ziel
Isimah würde gerne bei Kneer Südfenster bleiben und eine Berufsausbildung absolvieren – etwa als Schweißer, da er schon in Nigeria das Schweißen erlernt hat. Aber solange seine Bleibeperspektive unklar ist, hat er keine Chance: „Da müsste man schon Sicherheit haben, dass er bleiben kann, sonst macht es wenig Sinn“, sagt sein Vorgesetzter bei Kneer Südfenster, der namentlich nicht genannt werden will. Dabei sei Isimah ein guter Mitarbeiter: „Er arbeitet gerne, er ist engagiert und sehr nett. Er hat noch kein einziges Mal gefehlt ­– außer wenn er aufs Amt muss.“ Die regelmäßige Abwesenheitspflicht ärgert auch Isimahs Chef: „Das ist eine Unannehmlichkeit, die einen halben Arbeitstag ausfüllt. Das könnte man vielleicht auch unbürokratischer lösen. Schließlich ist er arbeitswillig und hat vier Kinder.“

Auf Nachfrage beim Landratsamt heißt es aus der Pressestelle: „Das Landratsamt Schwäbisch Hall verlängert die Aufenthaltsgestattungen für sechs Monate. Beim Antrag bekommen die Personen eine Kopie der Aufenthaltsgestattung, um sich ausweisen zu können und nach einem Monat können sie anschließend die Aufenthaltsgestattung für sechs Monate abholen.“ Anders bei Duldungen: Diese würden im Auftrag vom Regierungspräsidium Karlsruhe ausgestellt. „Hier können wir kein Ermessen ausüben“, heißt es.

Doch auch wenn das Landrats­amt hier nur ausführendes Organ ohne Gestaltungsmöglichkeiten ist, beklagen auch andere Personaldienstleister in der Region bürokratische Hürden bei der Beschäftigung von Flüchtlingen. All-Jobs zählt keine weiteren Geflüchteten zu seinen Mitarbeitern. Anders die Crailsheimer Zeitarbeitsfirma Temperso, die Flüchtlinge aus Afghanistan, Gambia, Irak, Nigeria, Somalia, Syrien, Armenien, Iran, Togo, Pakistan, Ukraine und dem Kosovo beschäftigt. Geschäftsführer Jochen Rummel bezeichnet viele behördliche Prozesse als „zu bürokratisch und langwierig, um eine Arbeitserlaubnis für die schnelllebige Branche der Zeitarbeit zu erhalten“. Geschäftsführer Tobias Glass fügt hinzu: „Die vielfältigen unterschiedlichen rechtlichen Regelungen und die damit verbundenen Befürchtungen rechtlich dagegen zu verstoßen, hindern uns in vielen Fällen an einer Einstellung der Bewerber aus Flüchtlingsländern.“

Auch Franz & Wach beschäftigt Flüchtlinge. Wichtigste Herkunftsländer sind Gambia, Pakistan, Afghanistan und Syrien. „Bürokratie ist grundsätzlich schon ein Problem, da sie die Prozesse langsam macht“, sagt auch Pressesprecher Dr. Ralf Eisenbeiß. Doch die Dinge entwickelten sich positiv: „Allerdings zeigen unsere Erfahrungen, die wir in Crailsheim seit Mai 2016 mit der Ausländerbehörde und der Agentur für Arbeit machen durften, dass die Ansprechpartner hier gewillt sind, Probleme aus dem Weg zu räumen.“ Die Zusammenarbeit laufe inzwischen „sehr gut und vertrauensvoll“.

Zuverlässige Mitarbeiter
Die Kunden machten generell positive Erfahrungen mit den geflüchteten Menschen unter den Mitarbeitern: „Wir haben die Beschäftigung von Flüchtlingen zu schätzen gelernt. Seit Mai 2016 haben wir alleine in Crailsheim 44 Flüchtlinge eingestellt. Nur wenigen mussten wir wieder kündigen, weil sie nicht zuverlässig waren.“ Mehrere Mitarbeiter seien mittlerweile in Festanstellung übernommen worden.Kaum Erfahrung mit Flüchtlingen hat dagegen der Haller Personaldienstleister Bera. Geschäftsführer Bernd H. Rath erklärt: „Als Jobmittler auf dem regionalen Arbeitsmarkt  kümmert sich die Bera GmbH durchaus um neue Potenziale und rekrutiert zum Beispiel seit vielen Jahren internationale Fachkräfte, doch aufgrund unserer Ausrichtung im qualifizierten Segment der Fach- und Führungskräfte hatte die Beschäftigung von Flüchtlingen für die Bera bisher keine Relevanz. Zudem suchen die Kunden bei uns als HR-Spezialisten nur erfahrene Fachkräfte.“ Die Integration der in Deutschland lebenden Flüchtlinge bezeichnet Rath nichtsdestotrotz als „eine der Schlüsselaufgaben unserer Zeit.“

Quelle: Haller Tagblatt, 28.12.2017