Die Personaldienstleister legen kräftig zu. Auch die Zahl der Teilzeitbeschäftigten und Minijobber steigt.
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Nachdem zuletzt die Bundesagentur für Arbeit ein weiteres Ansteigen der Beschäftigten in der Leiharbeit vorhersagte, berichtet nun das Institut Staffing Industry Analysts über ein anhaltendes Umsatzwachstum in der Branche. Die Londoner Analysten Erwarten das laufende Jahr ein weiteres Wachstum um sieben Prozent mit einem Marktvolumen von dann 27 Milliarden Euro.

Laut Bundesagentur für Arbeit waren zuletzt rund 1,1 Millionen Arbeitnehmer in der Branche beschäftigt. So viele wie nie in der Geschichte der Zeitarbeit in Deutschland. Für Andreas Nusko, Geschäftsführer der Franz & Wach Personalservice GmbH in Crailsheim, sind diese Zahlen keine Überraschung: "Die Beschäftigung in der Zeitarbeit wächst parallel mit der Gesamtzahl der Beschäftigten." Obwohl Zeitarbeit häufiger für Tätigkeiten nachgefragt wird, "die mit einem niedrigen Anforderungsprofil verbunden sind", zeichnen sich auch hier Veränderungen am heimischen Markt ab. Bernd H. Rath Gründer und Inhaber des Personaldienstleisters Bera: "Auch in der Region ist der Bedarf an qualifiziertem Personal zuletzt deutlich gestiegen."

Generell ist der Markt in Bewegung. In Deutschland erreichen die 50 größten Anbieter einen Marktanteil von 46 Prozent. Allein die Top drei erreichen bereits 19 Prozent des Marktes. Dennoch ist die Marktstruktur vergleichsweise "kleinteilig". Mehr als 11 300 Unternehmen besitzen eine Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung. Zwei Prozent mehr als 2015. Der Markt ist zweigeteilt: Auf der einen Seite die Komplett-Anbieter, auf der anderen kleinere Unternehmen, die eher Nischen abdecken. Die Situation in der Region deckt sich mit den bundesweiten Gegebenheiten. So hat auch die 2007 gründete Temperso-Gruppe mit einem kleinen Team in Crailsheim angefangen. Heute besteht das Unternehmen aus elf Niederlassungen und sechs Unternehmen in Deutschland und Rumänien mit mehr als 850 Mitarbeitern. Auch für dieses Jahr erwarten die Geschäftsführer Tobias Glass und Jochen Rummel "ein starkes Wachstum".

Aber auch kleinere Firmen wie Empresto sind aktuell sehr zufrieden Gerald Seiwerth, Assistent der Geschäftsleitung: "Wir haben zuletzt sehr viele Anfragen über benötigtes Personal erhalten, im Vergleich zum Vorjahr ist eine klare Steigerung zu sehen." Zur Entwicklung vor Ort gehört es auch, das verstärkt ausländische Anbieter auf den heimischen Markt drängen. Die jüngste Entwicklung von Franz & Wach Personalservice zeigt jedoch, dass die regional verankerten Anbieter trotzdem Paroli bieten können. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz zuletzt um satte 23,6 Prozent und war in den zurückliegenden drei Jahren sogar "Wachstumsführer der Branche".

Allgemeine Kritik an der Entwicklung wächst

Der von der Bundesagentur für Arbeit ermittelte Indikator "Arbeitskräftenachfrage in der Zeitarbeit" erreichte im Sommer den historischen Höchststand von 225 000 veröffentlichten Stellen.

Eine Entwicklung, die bei den Gewerkschaften auf viel Kritik stößt. So beklagt etwa die IG Bau die zunehmende "Schieflage am Arbeitsmarkt". Nach ihrer Darstellung arbeiten allein im Landkreis Schwäbisch Hall 34 200 Menschen derzeit in Teilzeit, Leiharbeit oder haben einen Minijob als alleiniges Einkommen. Damit ist der Anteil der so genannten "atypischen Beschäftigung" an allen Arbeitsverhältnissen im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 37 Prozent gestiegen. Die Gewerkschaft beruft sich auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung am Arbeitsmarkt seit dem Jahr 2003 untersucht hat. Damals lag die Quote atypischer Jobs noch bei 32 Prozent.

IG Bau-Bezirkschef, Mike Paul, spricht von einem "Alarmsignal an die Politik": "Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten". Laut der Studie hat im Raum Schwäbisch Hall besonders die Teilzeit-Beschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 noch etwa 10 800 Erwerbstätige in Teilzeit, waren es 2016 bereits rund 18 300 - ein Anstieg von 70 Prozent. Auch bei den Minijobs gibt es keine Entwarnung: Rund 13 100 Menschen waren 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt (2003: 12 300). In der Gebäudereinigung machten Minijobs mittlerweile die Hälfte aller Arbeitsplätze aus.

Die Gewerkschaften fordern von den Parteien klare Konzepte "gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt". Dazu gehören unter anderem die Abschaffung der Befristungen ohne sachlichen Grund und die Einbeziehung von Minijobs in die Sozialversicherung.

Quelle: RegioBusiness, 08.09.2017