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Die Branche wächst auch im Raum Crailsheim kontinuierlich. Die sehr unterschiedlichen Unternehmen sind trotz schwieriger Rahmenbedingungen sehr erfolgreich.

 


 

HohenloherTagblattNachdem die Bundesagentur für Arbeit bereits im Juli ein weiteres Ansteigen der Beschäftigten in der Leiharbeit vorhersagte, berichtet nun das Londoner Institut Staffing Industry Analysts über ein anhaltendes Umsatzwachstum in der Branche. Die Londoner Analysten schätzen das Marktvolumen des Zeitarbeitsmarkts in Deutschland auf 25,1 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung um sechs Prozent gegenüber 2015. Für das laufende Jahr wird ein weiteres Wachstum um sieben Prozent auf rund 27 Milliarden Euro erwartet.

Nach dem vorgelegten Bericht der Bundesagentur für Arbeit waren im Jahr 2016 bundesweit durchschnittlich 991.000 Menschen in der Branche beschäftigt. Vier Prozent mehr als im Jahr davor und so viele wie nie in Geschichte der Zeitarbeit in Deutschland. zum Jahresende werden es wohl  noch einmal 4000 Beschäftigte mehr sein.

Zahl der Beschäftigten steigt

Für Andreas Nusko, Geschäftsführer der Franz & Wach Personalservice GmbH in Crailsheim, sind diese Zahlen keine Überraschung: „Die Beschäftigung in der Zeitarbeit wächst parallel mit der Gesamtzahl der Beschäftigten.“

Der Anteil der Zeitarbeit an der Gesamtbeschäftigung bleibt mit rund drei Prozent in etwa gleich. Dass eine weitere Zunahme ausblieb, ist nach Ansicht der Experten vor allem darauf zurückzuführen, dass mit der Einführung des Mindestlohnes, auch die Zeitarbeit durch die gestiegenen Löhne teurer wurde.

Obwohl Zeitarbeit häufiger für Tätigkeiten nachgefragt wird, „die mit einem niedrigen Anforderungsprofil verbunden sind“, zeichnen sich auch hier Veränderungen am heimischen Markt ab. Bernd Rath, Geschäftsführer bei Personaldienstleister Bera: „Generell können wir sagen, dass der Bedarf an qualifiziertem Personal in der Region deutlich gestiegen ist und weiter steigen wird. Dies machen die Anfragen unserer Kundenunternehmen sehr deutlich. In diesem Zuge haben sich vor allem die Vermittlungen deutlich gesteigert. Das heißt, die Unternehmen übernehmen meist noch vor der vorgeschriebenen Höchstüberlassungsdauer unsere Mitarbeiter in ein festes Angestelltenverhältnis. An „speziellen Bereichen oder Branchen„ will Rath das nicht festmachen: „Diese sind bunt gemischt, vom Helfer bis zur hochqualifizierten kaufmännischen Fachkraft.“

Generell ist in den Markt Bewegung gekommen. In Deutschland erreichen die 50 größten Anbieter einen Marktanteil von 46 Prozent. Allein die Top drei, deren Hauptsitz jeweils im Ausland liegt, erreichen bereits 19 Prozent des Marktes. Dennoch ist der deutsche Markt vergleichsweise „kleinteilig und fragmentiert“.

Mehr als 11.300 Unternehmen besitzen eine Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung. Das sind zwei Prozent mehr als 2015. Der Markt ist damit  zweigeteilt: Auf der einen Seite die Komplett-Anbieter, auf der anderen kleinere Unternehmen, die eher Nischen abdecken und sich dort spezialisieren. Und so ähnelt die Situation vor Ort auch der bundesweiten Struktur. Hier sind es die drei Firmen Franz & Wach, Bera und Temperso, die sich größenmäßig von den Wettbewerben etwas abgesetzt haben.

  So ist auch die im Jahr 2007 gegründete Temperso-Gruppe zuletzt konstant gewachsen. Angefangen haben die beiden Jungunternehmer Jochen Rummel und Tobias Glass mit einem kleinen Team in Crailsheim. Heute besteht das Unternehmen aus elf Niederlassungen in der Region und Franken sowie sechs Unternehmen in Deutschland und Rumänien mit mehr als 850 Mitarbeitern. Auch für dieses Jahr erwarten Glass und Rummel ein starkes Wachstum, „auch aufgrund strategischer Zusammenarbeit mit namhaften Firmen“.

Ausländische Anbieter

Zu Entwicklung vor Ort gehört es auch, das ausländische Anbieter   und damit auch meist sehr große Unternehmen   verstärkt auf den heimischen Markt drängen. So erwarb  etwa die französische Synergie-Gruppe den bayerischen Anbieter Cavallo, der auch in Crailsheim vertreten ist. Dass die örtlich verankerten Anbieter trotzdem Paroli bieten können, zeigt gerade auch die jüngste Entwicklung von  Franz & Wach Personalservice.

Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr 2016 um 23,6 Prozent und war in den zurückliegenden drei Jahren sogar  „Wachstumsführer der Branche“. Der inhabergeführte Betrieb wuchs dabei zuletzt ohne weitere Zukäufe oder Übernahmen.

Ein Wachstumstreiber bleibt nach Einschätzung der befragten Unternehmen „der umkämpfte Bewerbermarkt“. Der von der Bundesagentur für Arbeit ermittelte Indikator „Arbeitskräftenachfrage in der Zeitarbeit“ erreichte im Juni den historischen Höchststand von 225.000 veröffentlichten Stellen.

 

Quelle: Hohenloher Tagblatt, 16.08.2017