HallerTagblattZwei neue Bestimmungen sorgen in der Branche der Personaldienstleister für Unsicherheit: die sogenannte Gleichbezahlungsregelung oder Equal Pay. Deren Kern ist die Pflicht, Leiharbeiter nach einer gewissen Zeit – in der Regel neun Monate – genauso zu entlohnen wie das vergleichbare Stammpersonal. Außerdem sieht die Höchstüberlassungsdauer vor, dass Zeitarbeitnehmer nur eine bestimmte Zeit – diese liegt im Standardfall ebenfalls bei neun Monaten – an ein Unternehmen ausgeliehen werden dürfen.

Unklar definiert

Die Branche geht davon aus, dass deshalb die Zahl der Zeitarbeitnehmer zurückgehen wird. Das erwartet auch Franz&Wach aus Crailsheim. „Das eigentliche Problem ist aber nicht, dass die Löhne nach oben gehen, sondern dass der Gesetzgeber versäumt hat, Equal Pay genau zu definieren“, schreibt Dr. Ralf Eisenbeiß, Pressesprecher von Franz&Wach. Unternehmer würden sich sorgen, dass sie den korrekten Vergleichslohn nicht berechnen können.

Im zurückliegenden Jahr hatte die Branche ein Umsatzplus von rund 6 Prozent auf 32,2 Milliarden Euro zu verzeichnen. Für dieses Jahr sei mit einem ähnlichen Zuwachs zu rechnen. Doch 2018 könnten die Erlöse sinken. Eine Umfrage bei den 25 größten deutschen Zeitarbeitsunternehmen ergab, dass 57 000 der rund 1 Million Arbeitsplätze in der Zeitarbeit bedroht sein könnten. Als Grund dafür wurden die gesetzlichen Änderungen genannt.

Das Haller Unternehmen Bera erkennt negative Konsequenzen der Gesetzesreform. Diese machten die Personaldienstleistung für Arbeitnehmer erheblich unattraktiver und für Unternehmen deutlich unflexibler.

Besonders scheint die Branche zu sorgen, dass Kunden ihre Leihkräfte vor Ablauf von neun Monaten wegschicken, weil sie rechtliche Konsequenzen wegen der reglementierten Einsatzzeit fürchten. „Wir wissen aus zahlreichen Gesprächen mit Entleihern, dass manche darüber nachgedacht haben, die Einsatzdauer auf acht Monate zu verkürzen und damit eine höhere Fluktuation akzeptieren“, erklärt Franz&Wach. Generell sei eine Verkürzung der Einsatzzeiten zu erwarten.

Arbeitsplätze seien dort bedroht, wo sich die Unternehmen nicht ernsthaft mit der Thematik des Arbeitsüberlassungsgesetzes befassen möchten, sondern sicherheitshalber lieber auf Zeitarbeit verzichten. „Das wird im Einzelfall auch uns betreffen“, befürchtet der Crailsheimer Personaldienstleister.

Starkes Wachstum

Franz&Wach legte 2016 deutlich stärker zu als der Branchenmittelwert von 6 Prozent. Die Crailsheimer steigerten ihren Umsatz von 61,4 auf 75,3 Millionen Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von 22,6 Prozent. Trotz der gesetzlichen Hemmnisse rechnet Franz&Wach mit einem weiteren Aufbau für das Unternehmen. Erwartet wird eine Marktkonsolidierung, die sich darin äußere, dass kleinere Zeitarbeitsanbieter die gestiegenen bürokratischen Anforderungen nicht erfüllen können und früher oder später darüber stolpern. „Leistungsfähige, gut organisierte Personaldienstleister wie wir werden von dieser Situation profitieren können“, sagt Ralf Eisenbeiß.

Bera baut auf

Bera sieht für sich keine Personaleinbußen – ganz im Gegenteil. „Intern bauen wir sogar weiter Personal auf. Besonders die Bereiche der Personalberatung und in dem zur Bera gehörenden Deutschen Zentrum für Leistungsmanagement wachsen wir derzeit stark“, teilt Geschäftsführer Bernd Rath mit. Angaben zu Umsatz und Entwicklung will das Unternehmen nicht machen.

Bera sieht sich nicht im Segment der klassischen Zeitarbeit, vielmehr als „Arbeitsmarktgestalter“. Unternehmen würden für neue Aufgaben anders qualifizierte Mitarbeiter brauchen. Diese weiterzubilden oder ihnen ein „Training-on-the-Job“ anzubieten, seien große Aufgaben.

Kunden übernehmen Mitarbeiter

Dass Zeitarbeiter nach einer bestimmten Zeit von den Unternehmen, in denen sie eingesetzt sind, übernommen werden müssen, scheint für den Haller Personaldienstleister kein Thema zu sein. „Die Projektmitarbeiter werden meist eh nach kurzer Zeit vom Kunden übernommen, denn der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Region ist hoch und die Unternehmen sehen die Arbeitnehmerüberlassung häufig als zusätzlichen Rekrutierungskanal“, erklärt Bernd Rath.

Quelle: Haller Tagblatt, 10.06.2017



Zwei Klassen

Das Ansehen von Personaldienstleistern ist zwiespältig. Die Branche hat ein Imageproblem. Zeitarbeitsfirmen werden oft dafür verantwortlich gemacht, dass es in Unternehmen eine Zweiklassengesellschaft gibt: hier die gutbezahlten Stammkräfte, dort die schlechtergestellten Leihkräfte. Dabei wird übersehen, dass Zeitarbeit den Zugang zum Arbeitsmarkt flexibilisieren kann. Viele der Menschen, die über die Leiharbeit in einen Betrieb kommen, sammeln wichtige Erfahrungen, beweisen sich und erhalten feste Anstellungen. Das betonen die Haller Bera GmbH und Franz&Wach aus Crailsheim. Nicht jedes Unternehmen kann unvorhersehbare Ausfälle von Mitarbeitern kompensieren oder personell stets für eine Auftragsspitze gerüstet sein. Dass Leiharbeiter einspringen, wenn es brennt, ist ein guter Grund, sie anständig zu behandeln.


Der Vorstandschef sowie der Finanzvorstand des Explosionsschutzexperten R. Stahl verließen für ihre Berichte bei der Hauptversammlung die Bühne und begaben sich auf Augenhöhe zu den Aktionären. Sie sprachen in freier Rede. Das kam gut an. So gut, dass ein Aktionärsvertreter wissen wollte, wie lange die Vorstandsmitglieder Schomaker und Marx für ihre Auftritte geprobt haben, ob sie dafür gecoacht wurden und wie viel Geld das gekostet hat. Sie antworteten mit einem Lächeln: keine Übungszeiten, keine Trainer, keine Kosten.

Quelle: Kommentar des Stellvertretender Chefredakteur, Haller Tagblatt, 10.06.2017

Verantwortung für ein nachhaltiges Handeln übernehmen, auch Corporate Social Responsibility (CSR) genannt, zählt zu den Grundwerten der BERA. Daher gehörte der Personalexperte 2012 auch zu den Erstunterzeichnern der Heilbronner Erklärung. Mit der Unterzeichnung der WIN-Charta des Landes Baden-Württemberg weitet das Unternehmen nun sein Engagement für Nachhaltigkeit in der Wirtschaft über die Grenzen der Region hinaus aus.

Das Land Baden-Württemberg gründete 2010 die Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit (WIN), auf deren Empfehlung die WIN-Charta ins Leben gerufen wurde, um engagierte Unternehmen aus Baden-Württemberg zu würdigen. Unter den Augen von 350 geladenen Gästen leistete die BERA im Rahmen einer Feier im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft als einer von 17 Neuunterzeichnern ihre Unterschrift unter der WIN-Charta. Als einziges mittelständisches Unternehmen der Region Heilbronn-Franken setzte der HR-Spezialist damit ein deutliches Zeichen in Richtung nachhaltige Unternehmensführung. „Die dynamische Entwicklung der BERA hat gezeigt, dass Ethik, Allgemeinwohl und Geschäftserfolg keine unvereinbaren Gegensätze sind“, sagt BERA-Geschäftsführer Bernd Rath am Rande der Veranstaltung.

Die WIN-Charta – ein System mit Erfolg

Mit seiner Charta zum nachhaltigen Wirtschaften bietet Baden-Württemberg als deutschlandweit einziges Bundesland ein System, welches für alle Unternehmen, von kleinen und mittleren bis hin zu Dax-Konzernen, umsetzbar ist und ein völlig transparentes Nachhaltigkeitsmanagement bietet. Auch Umweltminister Franz Untersteller betonte in seiner Eröffnungsrede, dass das Land Baden-Württemberg seit nunmehr zehn Jahren ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sei. Damit dies auch weiterhin gewährleistet werden kann, orientiert sich die WIN-Charta an zwölf Leitsätzen, welche sich inhaltlich an den drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales – orientieren. Aus diesen Leitsätzen heraus werden von den Unterzeichnern in einem 15-monatigen Prozess Zielkonzepte erstellt, welche zusätzlich zur Unterstützung eines sogenannten WIN!-Projekts umgesetzt werden. Den Abschluss bildet schlussendlich eine Berichterstattung über die geleisteten Maßnahmen sowie eine Überprüfung durch Stakeholder und die Öffentlichkeit, bevor sich die Unternehmen weiterhin verpflichten. Kommt ein Unternehmen diesem Prozess nicht nach, wird es aus der WIN-Charta ausgeschlossen.

Auch die Öffentlichkeit ist gefragt

In seiner Keynote fand der Schauspieler, Buchautor und Umweltaktivist Hannes Jaenicke neben lobenden auch deutlich mahnende Worte. „Die Wirtschaft darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen, wenn es um die ökologischen und sozialen Konsequenzen ihres Handelns geht“, sagte Jaenicke. Aber auch die Konsumenten nahm er in die Pflicht. So kann jeder durch seinen Konsum und bewusstes Handeln die Nachhaltigkeit unserer Umwelt positiv beeinflussen.