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Die bisherigen Unternehmensstrukturen werden den Ansprüchen der Märkte und junger Talente nicht mehr gerecht. Große wie kleine Unternehmen müssen sich wandeln, um auch morgen noch wettbewerbs- und leistungsfähig zu sein. Doch wie kann dieser Veränderungsprozess gelingen?

 

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Bild1Die Arbeitswelt wandelt sich rasant. Globalisierung, Digitalisierung und Wirtschaft 4.0 sind dabei nur einige der bekannten Schlagworte. Die bisherigen Unternehmensstrukturen werden den Ansprüchen der Märkte und junger Talente nicht mehr gerecht. Große wie kleine Unternehmen müssen sich wandeln, um auch morgen noch wettbewerbs- und leistungsfähig zu sein. Doch wie kann dieser Veränderungsprozess gelingen?
Kodak, Karstadt, Quelle, Nokia, Schlecker - dies sind nur einige von vielen bekannten Unternehmen, die über Jahrzehnte hinweg den Markt mitbestimmten und heute bedeutungslos sind. Sie haben es verpasst, die Zeichen der Zeit rechtzeitig zu deuten und sich einer grundlegenden Veränderung zu unterziehen. Pioniere wie Facebook und Google hingegen wurden anfangs lange ignoriert. Aber warum sind genau sie es, die heute Milliarden-Umsätze generieren? Und betrifft das alles auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region?
"Ja, es betrifft gerade den Mittelstand", zeigt sich Management- und Change-Berater Ulf Brandes überzeugt. Er unterstützt seit vielen Jahren Führungsteams beim Wandel zu einer zukunftsfähigen und attraktiven Organisation. Zuvor war Brandes als Führungskraft zehn Jahre bei den weltweiten Marktführern Procter & Gamble, PayPal und Google tätig sowie bei kleinen-, mittelständischen- und Start-Up-Unternehmen. Seit dem Studium beschäftigt der Physiker und Ökonom sich mit Hirnforschung, Gruppendynamik - und vor allem mit dem Erfolgsfaktor "Mensch". Schließlich ist es aus seiner Sicht nicht nur wichtig, Marke, Produktion und Technik zukunftsweisend auszurichten, sondern auch die Formen der Zusammenarbeit. Doch wie kann das funktionieren?
Eines ist sicher: Mit den Ansätzen der Vergangenheit ist Veränderung kaum möglich. Und wer von seiner Belegschaft erwartet, einen Change-Prozess mitzutragen, kommt weiter, wenn er im Wandel persönlich vorangeht. Schließlich orientieren sich die Mitarbeiter an seinem Vorbild. Zugleich gilt es, das Unternehmen gerade in stark veränderlichen, immer komplexeren Märkten sicher auf Kurs zu halten. Wie aber lässt sich der Spagat zwischen Stabilität und Agilität vollziehen?
"Aus einer ganzen Reihe von Studien wissen wir heute, dass Menschen besonders dann gut arbeiten können, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Man braucht das Gefühl, es macht Sinn, was man tut; man hat die nötigen Kompetenzen beziehungsweise kann sie sich verschaffen; und man hat hinreichend Handlungsfreiheit. Das heißt, man kann selbst entscheiden, wie man seine Aufgaben angeht", erklärt Brandes.
Veränderungsprozesse werden leichter, wenn Menschen wiederholt derartige positive Erfahrungen machen. Dann kommt eine schrittweise Entwicklung in Gang, die meist sicherer führbar ist als radikale Umbrüche. Eine Vielzahl von Unternehmen haben einen solchen Wandel bereits vollzogen und können als Vorbilder dienen. Inzwischen lassen sich klare Muster des Erfolges erkennen, die gerade auf den Mittelstand mit seinen häufig noch sehr persönlichen Strukturen gut übertragbar sind.
Welche das sind, und wie auch Firmen aus unserer Region erfolgreich Change-Prozesse anstoßen können, zeigt Brandes anhand anschaulicher und praktischer Beispiele beim BusinessForum am Mittwoch, 8. Juni, in der Unternehmenszentrale der Recaro Aircraft Seating GmbH.
Das BusinessForum hat so großes Interesse ausgelöst, dass der Abend leider bereits ausgebucht ist. Wer sich aber für die spannenden Thesen von Ulf Brandes interessiert, dem sei das im Campus-Verlag erschienene Buch "Management Y" zu empfehlen. Bei den Arbeiten am Buch entstand auch der populäre Dokumentarfilm "Augenhöhe", der dank Crowdfunding im Internet verfügbar ist. Beide beleuchten praktische Verbesserungsmöglichkeiten der Unternehmenskultur anhand vieler lebendiger Beispiele aus dem Mittelstand. pm

 

Quelle: RegioBusiness, 06.05.2016