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Das sechste Business-Forum drehte sich ganz um die Veränderungsbereitschaft in Firmen. Hier stehen sich Stabilität steht hier der Dynamik gegenüber.

 

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Ehemaliger Spitzenmanager Brandes plädiert für weniger Kontrolle gegenüber Mitarbeitern


Das sechste Business-Forum drehte sich ganz um die Veränderungsbereitschaft in Firmen. Hier stehen sich Stabilität steht hier der Dynamik gegenüber.

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   Foto: mst

Die Unternehmen der Region stehen vor gigantischen Herausforderungen: Die Digitalisierung, neue Qualitätsmerkmale, die auch durch Fremdbranchen beeinflusst werden oder auch die Konkurrenz ähnlicher Betriebe. Der ehemalige Spitzenmanager Ulf Brandes beschäftigte sich beim 6. Business-Forum von Bera, Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim und RegioBusiness, mit der Frage, was erfolgreiche Unternehmen „unter der Haube“ anders machen als ihre erfolglosen Pendants.

„Es muss Faktoren jenseits des kaufmännischen geben“, sagt Brandes. Ansonsten sei es nicht erklärbar, wie zum Beispiel die Drogeriemarktkette DM floriere und der Konkurrent Schlecker dagegen scheiterte. Beide Unternehmen unterscheiden sich in Lage der Ladenlokale, Preis und Qualität nur unmerklich. Für Brandes liegen diese Faktoren auf einem anderen Gebiet: Der Authentizität des Unternehmens, der Führungsstruktur und dem Mut zum Wandel.

"Echtheit zählt, weil Emotionen immer seltener werden"

Durch eine sinnvolle Aufstellung im Bezug auf diese Faktoren kann das Unternehmen „frei agieren und ist nicht mehr getrieben“. Dabei gilt es, die Balance zwischen Stabilitätseigenschaften, zum Beispiel dem Sicherheitsbedürfnis der Mitarbeiter und der Dynamik, den Bedürfnissen von Kunden und Markt, zu finden. Dies beschreibt Brandes als „agile Organisation“. „Wenn ich den Mitarbeitern Sicherheit und Stabilität gebe, komme ich in den Austausch, und kann bieten was der Markt braucht“, sagt der ehemalige Top-Manager, der bereits bei Firmen wie Proctor & Gamble, PayPal und Google arbeitete. Starre Strukturen, beispielsweise in Ministerien können nur schlecht auf Veränderungen und dynamische Herausforderungen reagieren, weiß Brandes.

Ganz besonders wichtig sei es, „die Mitarbeiter mitzunehmen und zu begeistern“, statt die Beschlüsse „von oben durchzudrücken“. Jeder Mitarbeiter durchlaufe seinen eigenen Kreis der Akzeptanz einer Neuerung. Sofern dies nicht abgeschlossen sei, „ist der Wandel kein Wandel, sondern Zwang“. Dazu gehöre auch, wie das Unternehmen eine Veränderung intern kommuniziert.

Brandes legt sein Augenmerk dabei auch auf den Widerstand der Mitarbeiter gegenüber einer anstehenden Veränderung: „Widerstand ist wichtig, denn das zeigt, dass sich jemand mit dem Thema auseinandersetzt“, erklärt der Managementberater. Viel schwieriger sei es hingegen, mit Desinteresse der Mitarbeiter umzugehen. Brandes empfiehlt, ein Team einzusetzen, das sich mit dem Thema Veränderbarkeit beschäftigt und diesem Zeit und Raum zu geben. Der Austausch auf Augenhöhe ist dabei das oberste Gebot. Nur so lässt sich das „kollektive Bauchgefühl“ anzapfen und eine nachhaltige Veränderungskultur schaffen, die das Unternehmen nach vorne bringt.

 

 Quelle: Haller Tagblatt