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Einblicke in aktuelle HR-Trends und somit auch neue Impulse erhielten daher wieder rund 120 Teilnehmer Ende Oktober beim vierten deutschen arbeitsmarkt forum.

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Lena Clausen

Wer sitzt morgen im Büro oder steht im Verkaufsraum? Kurz: Wer macht die Arbeit - das ist die große Frage, die die Personalarbeit prägt. Denn: Fachkräfte werden rar, der Kampf um kluge Köpfe tobt. Zudem haben sich Einstellung und Ansprüche der Arbeitnehmer gewandelt.


Einblicke in aktuelle HR-Trends und somit auch neue Impulse erhielten daher wieder rund 120 Teilnehmer Ende Oktober beim vierten deutschen arbeitsmarkt forum. Veranstalter Bernd Rath, Geschäftsführer der Personaldienstleisters Bera betonte: "Unser Motto lautet schon immer ,Visionen vermitteln - Austausch fördern' und genau das gelingt mit dem Forum immer bestens."

TRANSFORMATION Warum Unternehmen ihre Auswahlkriterien bei Bewerbungsverfahren ändern sollten, erklärte Lena Schiller Clausen in ihrer Keynote. Die Unternehmerin und Autorin machte deutlich, was Arbeitnehmer der neuen Generation von ihrem Arbeitgeber erwarten. "Die Beziehung zwischen uns ,Transformationsdesignern' und Ihnen als klassischen Unternehmern ist gestört. Werte wie Beständigkeit, Berufserfahrung und das abgeschlossene Studium sind uns weniger wichtig, als Möglichkeiten der Selbstentfaltung und Kontakte auf Facebook und Co."

Damit Betriebe dennoch für diese Art von Arbeitnehmern interessant sind, gab Clausen den anwesenden Personalverantwortlichen ein paar Tipps mit. Sie riet: "Schaffen Sie den Chef ab - Manager sollten weniger führend als vielmehr beratend zur Seite stehen. Und: Verheddern Sie sich in Netzwerken. Verbindungen zu Partnern, Kunden und Kollegen müssen demokratisch und dynamisch wie das Netz gestaltet werden".

EINSCHÄTZUNGEN Das Forum wartete mit weiteren namhaften Experten auf, die die Personalverantwortlichen mit vielen Herausforderungen konfrontiert sehen. So macht André Häusling, ehemals "Head of HR" bei web.de und Gründer der Managementberatung HR Pioneers, die zunehmende Komplexität als Schwierigkeit aus: "Die heutige Arbeitswelt wird immer innovativer und ist nicht mehr durch Beständigkeit und Sicherheit charakterisiert."

Vera Iqbal, Personalleiterin bei Barilla Deutschland, kennt eine weitere Herausforderung: "Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels liegen die größten Schwierigkeiten darin, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Und: Der Bewerbungsprozess wird umgekehrt: Unternehmen müssen Mitarbeiter werben."

Ähnlich sieht das Gero Hesse, Geschäftsführer der "Medienfabrik": "Neue Stellen müssen passgenau auf Stärken, Interessen und Werte des Kandidaten geschaffen werden. Dazu müssen die Unternehmen ihre Comfort-Zone verlassen und sich aktiv auf dem Arbeitsmarkt betätigen." Andreas Nau, Geschäftsführer der easySoft GmbH, kennt einen weiteren Faktor: "Die Arbeitgeberattraktivität ist von zunehmend wichtiger Bedeutung. Zum einen um Mitarbeiter im Unternehmen zu halten, zum anderen wirkt sie sich deutlich auf die Motivation und damit auf Leistungsfähigkeit und Innovationskraft aus."

Josef Buschbacher, Geschäftsführer Corporated Learning und Chance GmbH, sieht die größte Herausforderung für HR-Verantwortliche darin, digitales Know-how aufzubauen: " Durch ein tiefes Verständnis von neuen Technologien ist es möglich, die Recruitingstrategien anzupassen".

ERNÄHRUNG Einen gänzlich anderen Blickwinkel auf die Personalarbeit legten Neuro-Leadershipexperte Dr. Sebastian Spörer, Prof. Alfred Wolf, Fachmann für Stressmedizin, und Weltmeister-Koch Holger Stromberg, als sie neurobiologische Aspekte ins Spiel brachten. Dabei kamen sie zu dem Fazit: Führungsfähigkeit ist ebenso wie Erfolge im Spitzensport abhängig von der richtigen Ernährungen, die sich positiv auf den Hormonhaushalt auswirkt. Denn die innere Gelassenheit, die zum Beispiel bei wichtigen Entscheidungen helfen kann, ist abhängig vom Serotoninspiegel. Um den im richtigen Bereich zu halten, empfiehlt Wolf Unternehmen, nicht nur mittags in Kantinen für gesundes Essen zu sorgen, sondern auch am Morgen und Abend. Und er hat noch einen Tip für alle Arbeitnehmer: "Gehen Sie achtsam mit sich um, vermeiden Sie Multitasking und planen Sie Regenerationszeiten ein!"

www.arbeitsmarktforum.com